Grüne Zitronen mit rosa Schleife

Suche Nach Lösungen Als Brustkrebspatientin

So lala fand ich mich im Alltag als Fulltime-Mama und Vollzeit-Brustkrebspatientin zurecht. Eher gesagt, ich fand mich damit ab. Langsam fing ich an, wohl dosiert nach Antworten und Lösungen zu suchen – rund um die Krankheit sowie rund um den Alltag mit Baby zuhause.

Ich habe drei liebevolle Damen für die Babybetreuung sowie für den Haushalt engagiert. So ein Glück. Eine dieser Frauen ist inzwischen unsere liebgewonnene, fürsorgliche Leih-Oma.

Meine Hebamme durfte mich und mein Kind länger begleiten. Auch das war eine enorme „Entlastung auf Rezept“. Mit der entsprechenden Verordnung übernimmt die (gesetzliche) Krankenkasse in der Regel die Kosten dafür, auch für einen längeren Zeitraum.

In einer Krise brauchst du praktische Hilfe

Meine Familie ist klein. Und wohnt auch nicht in der Nähe. Also, konnte sie mich in dieser Situation kaum richtig unterstützen. Sollte es dir ähnlich gehen, gibt es auch andere Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen. Eine davon ist zum Beispiel das Sozialunternehmen für Familien „wellcome – Praktische Hilfe nach der Geburt“.

Den Hinweis bekam ich damals von meiner Hebamme. Die Initiative ist bundesweit vertreten. Ehrenamtliche kümmern sich stundenweise um den Nachwuchs im ersten Jahr nach der Geburt. So entlasten sie Familien in Krisensituationen wie diese.

Sind noch weitere Kinder in der Familie, die eine KiTa oder eine Schule besuchen oder kurz davor stehen? Je nachdem, wie deine persönliche Situation aussieht, kommt auch Unterstützung durch andere Organisationen und Institutionen infrage.

Zum Beispiel: Jugendämter, Familienservice-Angebote (pme Familienservice, unter anderem), Kontaktstellen für Kindertagespflege, Sozialpädagog:innen an der KiTa oder an der Schule. Auch kindgerechte Bücher zum Thema können dir helfen, deinen Kids die Situation und die Krankheit schonender zu erklären.

Deine Krankenkasse kann mehr als du denkst

Deine Krankenkasse leistet öfters viel mehr als du vermutest: Medikamente, Untersuchungen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Krankengeld, Verordnung für Perücke oder Krankentransport. Das ist wichtig, aber nicht alles. Fordere deine Krankenkasse heraus. Frag nach. Zweimal. Dreimal. Mehrmals.

So habe ich zum Beispiel eher per Zufall erfahren, dass meine Krankenkasse Krebskranke und ihre Angehörigen, innerhalb eines exklusiven Programms unterstützt: individuell, fachlich, bei Bedarf vor Ort.

Die Patientenbegleitung lotst durch leistungs- und sozialrechtlichen Fragen, vermittelt eine ärztliche Zweitmeinung, berät bei Themen wie Ernährung, Sport, Psyche, Alternativbehandlungen. Oder nennt dir zuverlässige Informations-Quellen zu deiner Gesundheit.

Vielleicht kommt auch für dich eine Befreiung von Zuzahlungen infrage. Meine Erfahrung hat gezeigt: Diese Leistung bei chronischen Krankheiten lohnt sich. Besonders im ersten und zweiten Jahr nach der aktiven Krebstherapie.

Ohne den Befreiungsausweis zahlst du für teure Medikamente oder Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte den Eigenanteil komplett zu. Wie das mit dem Befreiungsausweis konkret funktioniert, erfährst du bestimmt bei deiner Krankenkasse.

Finanzielle Unterstützung bei Krebs-Diagnose

Wenn wir schon beim Thema Geld sind, verrate ich dir noch einen Tipp. KLINGELING. Die Post ist da. Im Briefkasten die neue Labor- oder Apothekenrechnung. Eine vierstellige Zahl ist in diesen Rechnung nicht unüblich. Eine ziemlich üble Sache.

Denn unter der Diagnose Brustkrebs leidet nicht nur der Körper und die Seele, das private und das berufliche Leben. Darunter leiden ganz gewiss auch deine Finanzen.

Die Deutsche Krebshilfe in Bonn reicht höchstwahrscheinlich auch dir die Hand, wenn du finanzielle Sorgen hast. Schnell und unbürokratisch. Das kann ich persönlich bestätigen. Es gibt natürlich ein paar Voraussetzungen für diese einmalige Zahlung. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden.

Den Härtefond gibt es seit 1976. Eingerichtet von Mildred Scheel, die Gründerin der Deutschen Krebshilfe. Tolles Engagement. Herzlichen Dank an dieser Stelle dafür.

Mit 135 Millionen konnten bereits viele krebskranke Menschen und ihre Angehörige unterstützt werden. Hier geht es zum Härtefonds-Antrag der Deutschen Krebshilfe.

Was das Budget angeht, kannst du je nach individueller Situation eventuell folgende finanzielle Leistungen beanspruchen:

  • Arbeitslosengeld
  • Elterngeld
  • Bildung und Teilhabe (Bildungspaket-Leistungen für Kinder und Jugendliche)
  • Erwerbsminderungsrente
  • Kindergeld
  • Kinderzuschlag
  • Krankengeld

In zuverlässigen Quellen über Brustkrebs informieren

Neben der einmaligen Zuwendung informiert auch die Deutsche Krebshilfe umfassend über das Thema „Mammakarzinom“.

Möchtest du den Krebs und alles rund um diese Erkrankung (besser) verstehen? Dann bist du bei dieser gemeinnützigen Organisation rund um diese Erkrankung bestens informiert: Von Themen wie Ursachen über Wiederaufbau der Brust bin hin zu Rehabilitation oder Brustkrebs bei Männern. Immerhin erkranken knapp 800 Männer jährlich an Brustkrebs in Deutschland, so RKI-Zahlen.

So lernst du beispielsweise im Kapitel „Stadien und Klassifikation“ der Themenseite „Brustkrebs“, was Dinge wie T1 N0M0 R0 L0 V0 ERpos PRpos HER2neg genau bedeuten. In diesem Fall handelt sich um einen Karzinom im Frühstadium ohne Metastasierung.

Up to date“ über Mammakarzinom mit der App auf Rezept

Die Idee zu PINK! ist aus meiner langjährigen klinischen Erfahrung entstanden. Ich habe in den Erstgesprächen immer wieder bemerkt, dass meine Patientinnen in ihrer großen Not im Internet nach haltgebenden Informationen suchen, bis im Brustzentrum ihre drängendsten Fragen beantwortet werden. Daraus ergibt sich aber wirklich oft mehr Verwirrung und Verunsicherung als Trost oder Klarheit. Viele Patientinnen (und auch Angehörige) fühlen sich überfordert und allein gelassen. Und in der Hektik des Klinik-Alltags ist meist zu wenig Zeit für ausführliche Gespräche und Zuwendung. Wie sehr eine Krebsdiagnose auch eine Familie belastet, erinnere ich selbst nur zu gut: Als ich 9 Jahre alt war, ist meine Mutter an Krebs erkrankt. Ich selbst bin Mutter von zwei Kindern.

Prof. Dr. Pia Wülfing

Die App „PINK! Coach“ gibt Brustkrebspatientinnen Tipps über Ernährung, Bewegung, mentale Gesundheit, Atemtraining oder Yogaübungen. Aber auch Fragen wie „Wie bekomme ich einen Schwerbehindertenausweis?“ werden dort beantwortet.

Die App gibt es auf Rezept. Sie ist als Digitale Gesundheitsanwendung mittlerweile zugelassen. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse.

Nebenbei: Ein Schwerbehindertenausweis hört sich schlimm an, zugegeben. Jedoch ermöglicht er dir einige Vorteile: Von steuerlichen Vergünstigungen über Kündigungsschutz (unter bestimmten Voraussetzungen) bis hin zu Ermäßigungen bei Weiterbildungen beispielsweise in Volkshochschulen.

Mein Rat: Nutze diese Vorteile. Der kostenfreie Schwerbehindertenausweis wird in der Regel für fünf Jahre ausgestellt. Danach steht eine sogenannte Nachprüfung an.

Nachsorge ist die beste Vorsorge

Nachsorge ist die beste Vorsorge. Dazu gehören etwa eine körperliche Untersuchung durch Gynäkolog:innen, Mammographie-Screening und Sonographie (Ultraschall). Mindestens. Du kannst auch für dich (vor)sorgen, indem selbst regelmäßig abtastest: Brüste, Brustwand, Lymphbahnen, Achselhöhlen. Fühlst du etwas Verdächtiges, dann lass es ärztlich klären.

Nicht jeder Knubbel ist ein bösartiger Tumor. Eine wahre Floskel. Im Video hier zeigt das Universitätsklinikum Tübingen, wie du selbst deine Brüste untersuchen kannst.

Die Kontrolluntersuchungen – Ablauf, Zeitschema und Dauer – richten sich nach den aktuellen ärztlichen Leitlinien. Ja, so etwas gibt es auch. Je nach Therapie sind wahrscheinlich auch andere Untersuchungen sinnvoll: Herz- und Augen-Check, Knochendichtemessung, Blutuntersuchung oder Port-Spülungen beispielsweise.

(Keine) Angst vor der Vorsorge

KLOPF-KLOPF. Jährlich grüßt der „Mammo-Termin“. Der meist befürchtete und zugleich wichtigste für mich im ganzen Jahr. Zweifellos ein Stresstest.

Gespannt und mucksmäuschenstill warte ich jedes Mal das Urteil der Radiologin meines Vertrauens ab. Immer in demselben Zimmer. Links von der Liege – hängt Christos Bild „The Gates“ von Central Park New York.

Geradeaus, direkt vor mir, ein Artikel mit dem Titel „Knoten im Kopf“. „Warum sich immer noch viele Frauen mit der Brustkrebsvorsorge schwertun“, so der Untertitel. Unmittelbar daneben: eine Farbkopie mit der Überschrift „Was haben Zitronen mit Brustkrebs zu tun“. Dem Bild nach – einiges.

Jeden Frühsommer stehe ich eingeschüchtert vor denselben Bildern und Artikeln. Reflektiere. Bete.   

Das haben Zitronen mit Brustkrebs zu tun

Knoten im Kopf

Ja, Nachsorge und Vorsorge sind schwere Kost. Ich kann sehr gut nachempfinden, dass viele Frauen, ob Patientin oder nicht, ordentlich Angst vor ihren Früherkennungs- und Kontrolluntersuchungen haben. Plötzlich ist der „Knoten im Kopf“ da.

Es kommt in den vergangenen zwei Jahren die Angst vor einer Corona-Infektion dazu. Sie hielt viele Menschen von Vorsorge-Terminen ab. Dadurch ist eine Versorgungslücke entstanden. Krankenkassen und Gesundheitsorganisationen schlagen seit einiger Zeit diesbezüglich Alarm. Die Folge daraus: Krebs-Vorstufen oder bösartige Tumore blieben längere Zeit unentdeckt.

In den kommenden Jahren ist mit mehr fortgeschrittenen Krebserkrankungen zu rechnen, sind sich Mediziner:innen sicher. Eins ist jetzt schon klar: Vorsorge und Nachsorge sind auch in Pandemie-Zeiten (über)lebenswichtig.

Last, but not least: Mein Herzens-Projekt ist, mein Wissen (dir) weiterzugeben. Früh erkannt kann Brustkrebs bis zu fast 90 Prozent geheilt werden.

TOI, TOI, TOI

TSCHAKKA

NAMASTE

Quellen & nützliche Links:

https://www.aok.de/pk/magazin/cms/fileadmin/pk/rheinland-hamburg/pdf/flyer-gesundheitsinformationen-finden.pdf

https://www.aok.de/pk/rh/javita-patientenbegleitung/

https://www.aok.de/kp/bw/fuehl-mal/

https://www.vigo.de/rubriken/gesundheit-und-vorsorge/krebsvorsorge/lesen/familiaerer-brustkrebs-gentest.html

https://ecis.jrc.ec.europa.eu/pdf/factsheets/Breast_cancer_de-Dec_2020.pdf

https://www.elternleben.de/

https://www.knowyourlemons.org/

https://www.pink-brustkrebs.de/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/182514/umfrage/krebs-haeufigkeitsrate-in-europa/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/289731/umfrage/verteilung-von-krebserkrankungen-weltweit-nach-regionen-und-krebsart/

https://www.wellcome-online.de/ueber-wellcome

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