Meer Kamen Brjag Bulgarien

Urlaubsziel Bulgarien

Bulgarien: Brennende Hitze im Sommer und bittere Kälte im Winter. Davor mache ich keinen Stopp, wenn ich Jahr um Jahr nach Bulgarien reise. Was ist das, was uns alle – bulgarische Studenten, Au-pairs, Familien mit Kindern oder Fachkräfte in Deutschland – immer wieder in die Heimat zurückzieht, obwohl wir längst in Deutschland angekommen sind?

Immer wieder nach Bulgarien

Es ist lange her, dass ich Bulgarien verlassen habe. Dennoch ist es für mich bis heute irgendwie selbstverständlich, dass ich mindestens einmal im Jahr dorthin zurückkehre. So stelle ich fest, dass sich Bulgarien zu einem unveränderlichen und aus verschiedenen persönlichen Gründen auch unvermeidlichen Reise- und Urlaubsziel entwickelt hat. Nicht nur für mich. Viele wollen oder müssen zurück zu ihren Familien. Andere touren durch die frühere Heimat, manche zeigen sie ihren Kindern zum ersten Mal. Für einige ist einfach die Nostalgie der starke Motor für ihre Rückkehr auf Zeit.

Meine Heimatstadt

In Bulgarien wartet meine Oma

Es gibt viele Gründe, warum jeder von uns immer wieder Bulgarien besucht. Oftmals werde ich von deutschen Freunden und Kollegen gefragt: Fährst Du dieses Jahr nach Hause?

Dann antworte ich: Ja, meine Oma wartet schon auf mich.

Meine Oma und ich machen Bohnen sauber
Endlich vereint. Meine Oma und ich bereiten das Mittagessen vor: Es gibt Bohneneintopf.

Unter uns gesagt: In solchen Momenten empfinde ich meine Bulgarien-Reise als eine Verpflichtung in gewissem Sinne. Es ist aber eine süße Verpflichtung – meine Oma. Denn mir ist es klar, dass es sie nicht ewig geben wird. Ich liebe meine Oma und freue mich auf sie. Nur meinen Lieblingsopa werde ich diesen Sommer nicht mehr sehen. Er ist vor Kurzem verstorben. Liebste zu verlieren und aus der Ferne zu trauern, auch das gehört zum Schicksal der Ex-Bulgaren.

Also, reiße ich mich auch dieses Jahr zusammen und nehme jede Menge Strapazen auf mich: Nach Bulgarien reise ich mit einer günstigen, jedoch nicht so attraktiven Fluggesellschaft. Der Flughafen ist auch nicht schnell erreichbar. Zurück von Bulgarien habe ich ähnliche Probleme. Von Sofia aus fahre ich ungefähr noch 300 Kilometer mit großen und kleinen Bussen weiter bis ich am Ziel bin. Endlich habe ich es geschafft.

Meine liebe Oma wartet bereits auf mich. In den nächsten Stunden und Tagen werde ich ihretwegen rasant zunehmen. Mich wieder zu bekochen, darauf freut sie sich seit meiner letzten Abreise vor circa einem Jahr. Endlich kann ich das Obst und Gemüse aus dem eigenen Anbau (mehr Bio geht nicht) kosten und bewundern. So geht das Jahr um Jahr, Sommer um Sommer. Schön ist das.

Nachtrag 2019

Meine liebe Oma ist im April 2018 verstorben. Die Motivation im Sommer nach Bulgarien zu reisen lässt deutlich nach.

Schönes armes Bulgarien

Es gibt jedoch einiges, was ich nicht besonders schön in Bulgarien finde: Zum Beispiel die allgegenwärtige Armut, die Gesichter der Menschen, die viel älter aussehen als sie sind, die lästigen Schlaglöcher auf den verstaubten Straßen, die verdreckten Taxis. Oftmals habe ich in meiner Heimat, so sehr ich sie mag, auch das Gefühl, dass hier die Zeit stehen geblieben ist. Ich weiß nicht, ob das nur oder vor allem der Armut zuzuschreiben ist. So bin ich zum Beispiel jedes Mal darüber entsetzt, wie groß die Begeisterung der bulgarischen Zuschauer für Fernseh-Formate – in Deutschland ein Hype vor fünf oder zehn Jahren – sein kann. Ist etwa die Macht der Medien dafür verantwortlich? Vielleicht bin ich nur spießig.

Zuhause sein

Gut essen. Sonne tanken. Ans Meer fahren. Daheim gebliebene Freunde und Familie wieder sehen. All das gehört zu Bulgarien.

Aber die Heimat ist vielmehr als das. Sie ist zum Beispiel Worte und Ausdrucke wie „скитник“ oder „немили недраги“, die nur Menschen mit bulgarischen Genen richtig verstehen würden. Bulgarien ist dieses Gefühl der „Geborgenheit“, des „Zuhause-Seins“, das uns so unter die Haut geht, wenn wir Vazov, Jovkov oder Pelin lesen. Bulgarien ist „Бай Ганьо“, aber auch der 1., 3. und 8. März.

Kind sitzt im Kinderauto
Auf Tour durch die bulgarische Heimat

New friends, old friends, lovely family, barefoot walking on dusty roads…this is why we don’t call it a holiday…after all this years we just keep saying „We’re going home!“

meine Schwester

Wie können wir dieses Gefühl, was die Heimat ausmacht, unseren deutschen Freunden und Kollegen so gut wie eben möglich beschreiben? Unmöglich. Bulgarien ist meine Heimat, meine „rodina“. Deutschland meine Wahlheimat, das Vaterland. Ich mag beides. Sie sind nur anders.

Blogroll

Diese zwei Reiseblogs haben mehr als ein tolles Reise- und Urlaubsziel anzubieten, falls es doch nicht immer Bulgarien sein sollte:

http://ichweisswo.blogspot.de

http://www.lyingtoad.com

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